Der Palmrüssler im Jahre 2015

Der Palmrüssler im Jahre 2015

Ich liebe Andalusien und ich liebe Bayern. Irgendwelche Gemeinsamkeiten sind da nicht zu übersehen, natürlich nur, wenn man bereit ist die Eigenheiten  der beiden Länder tolerant zu belächeln! Es fängt schon bei der Sprache an. Beide Dialekte können vom Rest der Nation eigentlich nur mit Untertitel verstanden werden, geschweige denn von Ausländern, die mit Fleiß und Mühe die Schriftsprache erlernen, um dann festzustellen, dass diese in den genannten Regionen zwar verstanden wird, aber die dazugehörigen Antworten vom gestressten Studenten eben nicht.

Auch so die Art mit den täglichen Herausforderungen umzugehen birgt viele Ähnlichkeiten. (Pause, Brotzeit, etc.)

Ganz Andalusien spricht dieses Jahr von dem großen roten Palmrüssler, einem unscheinbaren Käfer, der innerhalb kürzester Zeit mehr als fünftausend Königspalmen vertilgt haben soll,  davon neun Stück in meinem Garten. Noch sind die Zeichen nicht ersichtlich, man spricht in den Zeitungen von Impfungen, die wenn rechtzeitig verabreicht, die Palmen retten sollen. Zeit was zu tun, denke ich eines Morgens und greife zum Telefonhörer. Das Ayuntamiento ist mein Ziel, die müssen da was machen, zumal die rote Käferplage hoch ansteckend ist. Kaum ist ein Baum von innen her völlig aufgefressen, und lässt die Blätterkrone in typischer Form oben abflachen, schwirren die Kerle schon weiter und nehmen sich das nächste Exemplar vor. Also Alarmstufe rot bei mir im Garten.

Ich wähle die Nummer der Gemeinde und lasse es klingeln. Als ich gerade auflegen will, wird der Hörer abgenommen.

Nuschel, Ayuntamiento, weiteres nuscheln, niesen.

Gesundheit. Ja, also grüss Gott, ich wollte mich mal erkundigen, wie die Sache mit dem Käferbefall der Palmen zu handhaben ist.

Pause

Danke. Was für Käfer? Was für Palmen??

Erklärung meinerseits.

Pepi, woasst du wos von PALMEN? (schreit er ins offenbare Großraumbüro).

Was für Palmen?

Ja, des woass i a net …

(Hörer wird zugehalten, man hört verschiedene Stimmen, lachen) dann ganz formell:

Einen Moment, bitte ich verbinde Sie..

Ja, hallo, nuschel, Ayunatamiento, nuschel..

Ja, also grüss Gott , ich wollte mich mal erkundigen wie die Sache mit dem Käferbefall der Palmen zu handhaben ist.

Käfer? Na, da sans bei mir net richtig! Do muass i Eahna weiterverbinden, an Augenblick, ( krrrkk, endloses läuten)

Hallo? Do nimmt neamands ab, an Augenblick bittschön, i probiers no a moi …

Hallo, nuschel, Ayunatamiento, nuschel

Ja, also Grüss Gott, ich wollte mich mal … (siehe oben)

Palmen? Na, na, na, wer hat Ihnen denn die Nummer gebn? Da ham mir gar nix mit zum tun, weil des nämlich gar nimmer von uns gmacht werd, oder Paco? Paco! San mir zuständig für Palmen und Insektenbefall? Na, gell? Ja, i habs Eahna ja gsogt, des foit net in unsern Zuständigkeitsbereich,  i verbind Sie jetzt amoi zu meinem Kollegen, der woass da Bescheid. Pfüats Eahna! (nach längerem läutem, hebt jemand mit offensichtlich vollem Mund ab)

Ja, hallo, hallo? Nuschel, Ayuntamiento, nuschel, was kann ich für Sie tun?

Ja, also Grüss Gott, ich wollte mich mal erkundigen, weil ich hab das jetzt auch schon ein paar mal Ihren Kollegen erklärt (ich verhaspele mich) es ist wegen der Palmen und der Käfer.

Palmen? Was für Palmen? Do gib i Eahna jetzt amoi die richtige Telefonnummer, gell, weil da ham a ja mir do gar nix mit zum toa. Palmen!  Da miassns mit der Umweltabteilung sprechen, de wissen do Bscheid, gell, ja bittschön. (Er beisst hörbar in ein Brötchen und gibt die richtige Telefonnummer durch, halleluja!)

Hallo?  Spreche ich mit der Umweltbehörde? Ich habe im Garten neun Palmen, die von dem roten Palmrüssler befallen sind und es muss eiligst etwas geschehen, bin ich da bei Ihnen richtig?

Palmen? Palmrüssler? Da woass i nix, und des g´hert a goar net daher zu uns. Weil wir nämlich für Umweltsünden zuständig sind, wenn oiso oaner zum Beispiel seinen Müll falsch entsorgt oder so wos. Do miassns bei dene Kollegen vom Agrarbüro oruafa, des is dene ihr Problem, net unsers. Weil mir für Bam net zuständig san, net wahr.

Und wo bekomme ich die Nummer her?

Ja, wartns amoi – Pepi  (noch einer!) woasst du de Nummer von der Agrarabteilung, des is wegn der Palmen, woasst scho. Momenterl. (Pausenmusik, bitte warten, dann endlich)

Ja oiso mir ham jetzt de Nummer, aber des Büro ist nur von Mittwoch bis Freitag besetzt, gell. (Nummer folgt)

Mittwoch früh:

Ja grüss Gott, ich habe im Garten neun Palmen …. (Siehe oben).

Pause

Ja wieso ruafns do bei uns o? Mir ham damit überhaupt nix am Huat. Eine Palme is doch koa landwirtschaftliches Gewächs, oder? Na, oiso, da sans ganz falsch. Da miassns beim Ayuntamiento oruafn! I gib Eahna die Nummer …(Ein letzter Versuch kann nicht schaden, denke ich, zumal die Nummer anders aussieht als meine. Und tatsächlichJ

Ja, hallo, ist dort das Ayuntamiento? Ich rufe an, weil ich im Garten neun Königspalmen habe, die alle vom roten Palmrüssler befallen sind ….

(Er unterbricht mich):

Na also, mir san da net zuständig, des wird ois von der Junta Andalucia gesteuert, gell. Jetzt sagns mir amoi ihre Telefonnummer und die Adresse und i werd des  weiterleiten. Sie wern dann ogruafa von dort gell, und können mit dene dann einen Treffpunkt vereinbaren. (Das kling vernünftig, endlich einer der weiss was Sache ist. Leider habe ich vergessen zu fragen, wann denn er Anruf erfolgen soll …)

Zehn Tage später

Über Internet die Telefonnummer der Junta Andalucia herausbekommen. Jetzt muss man nur noch anrufen und fragen, ob der Auftrag der Gemeinde eingegangen ist. Die Nummer ist ständig belegt, nach endlosen Flamencoklängen und „bitte warten“, kommt endlich (die erste Frau) an den Apparat:

Nein, also leider, leider, do san mir gar net mehr zuständig, mir ham des sozusagen zurückgeleitet an die Gemeinden, tut mir leid. Aber ich geb Ihnen jetzt amoi die Nummer vom Forstamt, weil die zuständig sind, dann ham sie schon mal eine Abkürzung, gell! (Sehr kompetent und freundlich, denke ich, doch leider ist auch diese Auskunft falsch):

Ja, hallo ich rufe wegen der Königspalmen an, Insektenbefall (langsam werde ich maulfaul)

(Mein unsichtbares Gegenüber, lacht herzlich):

Haha, im Forstamt, des is guat, Pepi (noch einer), host des ghert, jetzt san mir scho zuständig für Palmen! Ham Se schon amoi an Palmenwald gsegn?? (lacht sich halbtot) Na, oiso, des is guat, haha. Und Se san ja a gar net im Wald, oder? Finca sagn Sie? Ja gell, da hamas doch scho! Die Stadt ist verantwortlich, jawohl die Stadt, und zwar das Departamento de Fincas, ja genau de miassns oruafn. Pepi gib a moi de Nummer vom Finca Departamento, also jetzta gell, wiederschaun.

Hallo, ist dort das Departamento de Fincas? Ja? Also ich habe neun Königspalmen in meinem Garten … (siehe oben)

Ja, des is gar net bei uns, des is ganz foisch, da sans scho amoi ganz foisch. Weil mir nämlich nur so Finca Vermessungen und so weiter bearbeiten. Zuständig bei so Plagen ist immer des Büro von Sanedad Vegetal, weil des ja quasi eine Epedemie ist, gell ja, also do miassns oruafn. (Inzwischen ist es nach 14 Uhr und mein Anruf muss warten).

Dann um 17 Uhr:

Na, da sans bei mir net richtig. Weil unser Departamento, gell, des befasst sich eigentlich  mehr mit so Gemüsebefall, oiso Schneckenplagen, Raupen und so Zeigl. Palmen? Na, Palmen net. Weil da ham mir ja gar net des richtige Gift, na, oiso bei uns, wia gsagt, da net. Ruafn´s doch einfach bei der Policia Local an, de san ja sonst so g´scheit, de wern des wissen wo Sie do oruafn missn.

Policia Local, guten Tag!

Ja, hallo ich habe jetzt schon so viel herum telefoniert und weiss mir keinen anderen Rat mehr. Ich habe neun Königspalmen im Garten … (siehe oben).

Ja, des tuat ma leid, und wos ham de g´sagt am Ayuntamiento? Wos net zuaständig? Ja, wer denn sonst? Ja, na woass i a net, aber am besten Sie rufen die Guardia Civil an und lassen Eahna mit der Abteilung „Seprona“ verbinden, die beschäftigen sich mit so Umweltzeigl.

Guardia Civial, guten Tag!

Ja, hallo, ich habe Ihre Telefonnumer von der Policia Local bekommen, ich soll mich bei der Abteilung „Seprona“ melden, es geht darum, ich habe neun Königspalmen in meinem Garten … (siehe oben).

„Seprona“? Und des ham de Eahna bei der Policia Local gsagt? I glab des net, ja san denn de deppert oder was? Wissen Sie denn überhaupt, was bei der Seprona  ablaft??? Net?  Des is a Büro für Umweltsünden der höchsten Kategorie, verstehn Sie?? Wenn ein Schiff Öl ablässt auf dem Meer oder so was – aber doch keine Palmrüssler net. Mei o mei.  Wartents amoi, jetzt schau i amoi noch. .. Do, de Nummer ruafns jetzt o, weil de machan des seit neuestem. Seprona! Haha, gell des is guat!

(Eine brüchige Frauenstimme meldet sich ohne Namen, nur mit hallo??)

Ja, hallo, ich habe Ihre Telefonnumer von der Guardia Civil bekommen. Ich habe neun Königspalmen im Garten … (siehe oben).

Da gib i Eahna jetzt die Nummern vom Carlos und vom Raquel, de wissen hundertprozentig Bescheid .. (Ein Lichtblick)

(Juhu! Carlos geht gleich ans Telefon)!

Ja, des war sche, wann i do no zuständig war, aber leider, gell, leider is des jetzt ois privatisiert worn, und do bin i net berücksichtigt worn. Mit anderen Worten: I konn Eahna net helfa. Aber i gib Eahna jetzt die Nummer von der Firma de des jetzt macht. Vorher da war des die Junta und dann das Ayuntamiento, aber de schiabn ja ois ob, also wia gsagt, des is jetzt privat!

(Endlich am Ziel!!!)

Die Firma meldet sich nach dem ersten klingeln, mit vollem Namen und einer netten Begrüssungsformel (wie können wir Ihnen helfen?) und ich fühle mich ernst genommen und trage, fast den Tränen nahe, mein Problem vor. Preise werden genannt, Termine abgeglichen und ein Mitarbeiter soll am nächsten Tag um neun Uhr zu mir kommen. Die neun Uhr hätten mich schon misstrauisch machen sollen. Um es kurz zu machen, ich warte noch heute auf den Palmenspezialisten, jetzt ist auch die letzte Palme bei mir im Garten befallen und mir is des jetzat wurscht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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